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<title>Wilhelm Twittenhoff</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Wilhelm Twittenhoff</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Wilhelm Twittenhoff</b> (* <a href="28._Februar" title="28. Februar">28. Februar</a> <a href="1904" title="1904">1904</a> in <a href="Werdohl" title="Werdohl">Werdohl</a>, <a href="Westfalen" title="Westfalen">Westfalen</a>; † <a href="23._September" title="23. September">23. September</a> <a href="1969" title="1969">1969</a> in <a href="K%C3%B6ln" title="Köln">Köln</a>) war ein deutscher <a href="Musikwissenschaft" title="Musikwissenschaft">Musikwissenschaftler</a> und <a href="Musikp%C3%A4dagoge" class="mw-redirect" title="Musikpädagoge">Musikpädagoge</a>, der maßgeblich zum Aufbau des deutschen <a href="Musikschule" title="Musikschule">Musikschulwesens</a> beitrug und an der Gründung zahlreicher <a href="Interessenverband" title="Interessenverband">Verbände</a> im <a href="Nachkriegsdeutschland" class="mw-redirect" title="Nachkriegsdeutschland">Nachkriegsdeutschland</a> mitwirkte. Er veröffentlichte zahlreiche Schriften zum Musikschulwesen und zur musischen Bildung, aber auch eigene Kompositionen und Unterrichtsmaterialien für den Musikschulunterricht.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben_und_Schaffen">Leben und Schaffen</h2></div>
<p>Nach Abschluss einer kaufmännischen Lehre legte Twittenhoff im Jahre 1929 sein Privatmusiklehrerexamen im Musikseminar von <a href="Heinz_Sch%C3%BCngeler" title="Heinz Schüngeler">Heinz Schüngeler</a> in <a href="Hagen" title="Hagen">Hagen</a> ab. Im Anschluss studierte er <a href="Musikwissenschaft" title="Musikwissenschaft">Musikwissenschaft</a>, <a href="Philosophie" title="Philosophie">Philosophie</a> und <a href="Soziologie" title="Soziologie">Soziologie</a> an der <a href="Friedrich-Wilhelms-Universit%C3%A4t_Berlin" class="mw-redirect" title="Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin">Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin</a> und an der <a href="Universit%C3%A4t_Halle" class="mw-redirect" title="Universität Halle">Universität Halle</a>. Sein Studium schloss er mit einer Promotion zu den <a href="Musiktheorie" title="Musiktheorie">musiktheoretischen</a> Schriften <a href="Joseph_Riepel" title="Joseph Riepel">Joseph Riepels</a> 1933 in Halle ab und war dann zunächst bis 1936 als Musikpädagoge an der durch <a href="Carl_Orff" title="Carl Orff">Carl Orff</a> und <a href="Dorothee_G%C3%BCnther" title="Dorothee Günther">Dorothee Günther</a> gegründeten und geleiteten Ausbildungsstätte vom Bund für freie und angewandte Bewegung e.V. in München tätig.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Twittenhoff war seit 1934 Mitglied der <a href="Sturmabteilung" title="Sturmabteilung">SA</a> sowie seit 1937 Mitglied der NSDAP. Ab 1940 war er HJ-Obergefolgschaftsführer sowie Mitarbeiter der HA Musik im Kulturamt der <a href="Reichsjugendf%C3%BChrung" title="Reichsjugendführung">Reichsjugendführung</a> (RJF). Er war auch Mitarbeiter im HJ-Rundfunk, so 1939 beim Reichssender Leipzig.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach einer kurzen Lehrtätigkeit an der Hochschule für Lehrerbildung <a href="Jelenia_G%C3%B3ra" title="Jelenia Góra">Hirschberg (Schlesien)</a> wechselte er im Jahre 1937 an die <a href="Hochschule_f%C3%BCr_Musik_Weimar" class="mw-redirect" title="Hochschule für Musik Weimar">Hochschule für Musik Weimar</a> und wurde dort bereits 1938 Leiter des zweijährigen Lehrgangs für Volks- und Jugendmusikleiter. Mit Unterstützung des Hochschulrektors <a href="Paul_Sixt" title="Paul Sixt">Paul Sixt</a> wurde der Lehrgang ab 1942 zu einem dreijährigen „Seminar für Musikerzieher der <a href="Hitlerjugend" title="Hitlerjugend">HJ</a>“ erweitert, das nun zusätzlich mit dem Privatmusiklehrerexamen abgeschlossen werden konnte und daher zu regulären Seminaren der Musikhochschulen gleichwertig war. Twittenhoff wurde im April 1943 zum Leiter des Seminars ernannt und im Juni 1944 offiziell als Studienrat vereidigt. Auch wenn er durch die Konzeption und Durchsetzung des Seminars maßgeblich zur Etablierung einer <a href="Musikerziehung" class="mw-redirect" title="Musikerziehung">musikalischen Erziehung</a> neben den <a href="Allgemeinbildende_Schule" title="Allgemeinbildende Schule">allgemeinbildenden Schulen</a> und den Privatmusiklehrern beigetragen hat, lag die Leitung faktisch stets bei Elfriede Thomas, da er selbst seit Dezember 1940 <a href="Kriegsdienst" class="mw-redirect" title="Kriegsdienst">Kriegsdienst</a> an der <a href="Nordsee" title="Nordsee">Nordsee</a> leistete.
</p><p>Im August 1940 leitete Twittenhoff zusammen mit Reinhold Heyden und Traute Standfuß in Prag die musikalische Schulung im Rahmen des Kulturpolitischen Arbeitslagers der <a href="Reichsjugendf%C3%BChrung" title="Reichsjugendführung">Reichsjugendführung</a> (RJF) für die Ostgebiete.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach dem sogenannten Anschluss Österreichs bauten die Nationalsozialisten das Steirische Musikschulwerk nach ideologischen Gesichtspunkten um und errichteten die Hochschule für Musikerziehung in Graz-Eggenberg, die als Ausbildungsstätte für HJ-Musikleiter konzipiert war.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Direktor der Grazer Hochschule war von 1939 bis 1944 <a href="Felix_Oberborbeck" title="Felix Oberborbeck">Felix Oberborbeck</a> (NSDAP-Mitglied seit 1933), er und Twittenhoff kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in Weimar. Twittenhoff war „bei der ersten Zusammenkunft leitender Männer des Steirischen Musikschulwerks 1939 in St. Martin dabei“.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach seiner Rückkehr im September 1945, wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der <a href="NSDAP" class="mw-redirect" title="NSDAP">NSDAP</a> ab Mai 1937 und der Leitung des <a href="Hitlerjugend" title="Hitlerjugend">HJ</a>-Seminars aus dem Staatsdienst entlassen. Nach seinem Einspruch und aufgrund des Einsatzes des neuen Weimarer Hochschulrektors Walter Schulz für den „exzellenten Fachmann“ erhielt er eine amtliche Bescheinigung, dass keine Bedenken gegen eine private Tätigkeit als Musiklehrer bestünden.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In den Folgejahren war Twittenhoff als Musikschullehrer in <a href="Welver" title="Welver">Welver</a> bei <a href="Soest" title="Soest">Soest</a> tätig und baute ab 1950 die Jugendmusikschule in <a href="Dortmund" title="Dortmund">Dortmund</a> auf. Er setzte sich für die Errichtung weiterer Musikschulen in der jungen Bundesrepublik ein und veröffentlichte 1951 seine Schrift <i>Neue Musikschulen</i>, die Grundlage für die Gründung des <a href="Verband_deutscher_Musikschulen" title="Verband deutscher Musikschulen">Verbandes der Jugend- und Volksmusikschulen</a> durch die seinerzeit zwölf Musikschulen in der Bundesrepublik und West-Berlin unter seinem Vorsitz im Jahre 1952 wurde. Von 1953 bis 1958 war er Leiter der <a href="Staatliche_Jugendmusikschule_Hamburg" title="Staatliche Jugendmusikschule Hamburg">Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg</a>, blieb jedoch noch bis Anfang 1969 Vorsitzender des <a href="Verband_deutscher_Musikschulen" title="Verband deutscher Musikschulen">Verbandes der Jugend- und Volksmusikschulen</a> mit Sitz in Dortmund und wurde anschließend dessen <a href="Ehrenvorsitzender" title="Ehrenvorsitzender">Ehrenvorsitzender</a>.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Twittenhoff war 1958 Gründungsdirektor der <a href="Akademie_Remscheid" class="mw-redirect" title="Akademie Remscheid">Musischen Bildungsstätte Remscheid</a> (später Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung), setzte sich in dieser Funktion weiter für die musische Bildung ein und unterstützte den Zusammenschluss von Verbänden in der <a href="Bundesvereinigung_Kulturelle_Kinder-_und_Jugendbildung" title="Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung">Bundesvereinigung Musische Jugendbildung</a> im Jahre 1963, deren Gründungsvorsitzender er wurde. Ferner war er Mitherausgeber der <a href="Schott_Music#Verlagsprogramm" title="Schott Music">Zeitschrift Musik und Bildung</a>.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Werke_(Auswahl)"><span id="Werke_.28Auswahl.29"></span>Werke (Auswahl)</h2></div>
<ul><li><i>Einführung in das Schulwerk von Carl Orff</i>, Schott, Mainz 1935.</li>
<li><i>Neue Musikschulen. Eine Forderung unserer Zeit</i>, Schott, Mainz 1952.</li>
<li><i>Das erste Spiel auf der Schulflöte</i>, Schott, Mainz 1952.</li>
<li><i>Jugend und Jazz</i>, Schott, Mainz 1953.</li>
<li><i>Neue Musikschulen II. Die Jugendmusikschule in Idee und Wirklichkeit</i>, Schott, Mainz 1956.</li>
<li><i>Musische Bildung. Gedanken aus 20 Jahren</i>, Schott, Mainz 1972. (posthum)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Fred_K._Prieberg" title="Fred K. Prieberg">Fred K. Prieberg</a>: <i>Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945</i>. CD-ROM-Lexikon, Kiel 2009, 2. Auflage, S. 7762–7768. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/handbuch-ns-musiker-prieberg">online</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&amp;query=101381557">Literatur von und über Wilhelm Twittenhoff</a> im Katalog der <a href="Deutsche_Nationalbibliothek" title="Deutsche Nationalbibliothek">Deutschen Nationalbibliothek</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=g338942">Nachlass</a> im <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.burgludwigstein.de/forschen">Archiv der deutschen Jugendbewegung</a> auf Burg Ludwigstein (Witzenhausen)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.adjb-jugendmusikbewegung.de/wilhelm-twittenhoff">Biografie</a> im Themenportal zur Jugendmusikbewegung des Archivs der deutschen Jugendbewegung (Burg Ludwigstein, Witzenhausen)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Musik_in_Geschichte_und_Gegenwart" class="mw-redirect" title="Musik in Geschichte und Gegenwart">Musik in Geschichte und Gegenwart</a>, Bd. 16. Bärenreiter 1986, S. 1889.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Fred K. Prieberg: <i>Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945</i>, Kiel 2009, S. 7763.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Anne Keller: <i>Das Deutsche Volksspiel. Über die Programmatik nichtprofessionellen Theaterspiels innerhalb der Hitlerjugend-Spielscharen am Beispiel der Zeitschrift Die Spielschar</i>, Diss., Berlin 2015, Anhang, S. 56–57.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Helmut Brenner: <i>Musik als Waffe? Theorie und Praxis der politischen Musikverwendung, dargestellt am Beispiel der Steiermark 1938–1945</i>, Graz 1992.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Eggenberger Chronik</i> Nr. 44 vom Juni 1965; Nachlass Felix Oberborbeck, Archiv der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Sig. Oberborbeck 20.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Huschke, Wolfram: <i>Zukunft Musik. Eine Geschichte der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.</i> Köln [u.&nbsp;a.]: Böhlau 2006, S. 296 f.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">VdM: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.musikschulen.de/vdm/chronik/">Die kleine Chronik des VdM.</a> Abgerufen am 29. Juni 2025.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 16. Bärenreiter 1986, S. 1889.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/101381557">101381557</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/no94005114">no94005114</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/39742443/">39742443</a></span> | </div>
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